Hackl Kopftaster 15Herr MH ist um die 50 Jahre alt und heute schwerstbehindert, seit einigen Jahren auch beatmet.
Er verbrachte fast sein ganzes Leben in Einrichtungen und Heimen. MH hat eine Sonderschule für geistig Behinderte besucht; das Etikett „verhaltensauffällig“ aus dieser Zeit ist er in all den Jahren nie wieder richtig losgeworden.
1997 begann eine Betreuerin, zunächst im Rahmen eines Projekts der damaligen Einrichtung, mit ihm das Schreiben mit Gestützter Kommunikation (FC). Sie führte das auch nach der Projekteinstellung 2006 weiter fort – als Privatinitiative in ihrer Freizeit.
Anfangs schrieb MH im fränkischen Dialekt seiner Heimat, merkte sich aber bei jedem Wort die hochdeutsche Variante. In diesen Jahren entstanden Hunderte von Seiten, die heute wichtige Protokolle seines Lebens darstellen.
Im Verlauf wurde immer deutlicher, dass die Komplexität der Inhalte seiner Aussagen so gar nicht zum Bild eines verhaltensauffälligen geistig Behinderten passen wollten.
Das ließ seine Betreuerin nach Lösungen suchen, die MH das Schreiben ohne auch FC möglich machten.

Zusammen mit dem Berliner Verein kommhelp begann sie 2013, verschiedene Ansätze zur Unterstützten Kommunikation zu evaluieren. Aufgrund der schweren körperlichen Einschränkungen von MH kam nur eine Lösung mit Computerunterstützung in Frage.
Nach langem und geduldigen Ausprobieren (wobei die meiste Geduld wohl MH aufzubringen hatte) kristallisierte sich die momentan verwendete Konfiguration heraus, deren Beschreibung Gegenstand dieses Dokuments ist.
Aber es ist jetzt schon klar, dass auch das nur einen Zwischenschritt darstellt. Es spielt auch keine Rolle, ob es eine endgültige Lösung gibt und wie sie wohl aussehen könnte. Wichtig ist, dass MH den Weg aus der Isolation heraus weitergehen kann, wie schnell und mit welchen Hilfsmitteln ist allein seine Entscheidung.

In den siebziger Jahren wurde MH Opfer von Medikamententests an behinderten Kindern. Der Bayrische Rundfunk hat in der Sendung „Kontrovers“ darüber am 9. Mai 2018 berichtet.

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Im Film wurde auch gezeigt, wie MH mithilfe eines Computers kommuniziert. Dabei handelt es sich aber nicht um einen speziellen Sprachcomputer, sondern um einen ganz normalen Laptop, der mit Freier Software so aufgerüstet wurde, dass die Kommunikationsmöglichkeiten und –bedürfnisse von MH optimal unterstützt werden.

Diese Lösung hat den großen Vorteil, dass sowohl die Software als auch die Eingabemöglichkeiten (zurzeit ist es noch ein simpler Taster) jederzeit flexibel an die sich verändernden Bedürfnisse und Fähigkeiten des Nutzers angepasst werden kann.
Denn parallel dazu, wie MH lernt, mit dem System umzugehen und der Technik zu vertrauen, entwickelt er auch eigene Ideen dazu, was er ausprobieren möchte und wie das System weiterentwickelt werden kann.
Schon jetzt zeigt er großes Interesse an Google Earth und Ebook-Readern.


Eine detaillierte Beschreibung finden Sie im Dokument im Anhang zu diesem Artikel.

Ergänzende Informationen
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