Zusammenfassung

Im Berichtszeitraum konnte kommhelp wiederum in vielen  Fällen individuelle Hilfestellung bei der Nutzung von Computern als Kommunikationshilfe für Menschen mit schweren motorischen Einschränkungen  leisten. Die Anfragen lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:

  • Ein vorhandenes Kommunikations-Hilfsmittel (i. A. über die Krankenkasse oder den Sozialträger finanziert) entspricht nicht den Bedürfnissen oder die sachgerechte Nutzung bereitet schwerwiegende Probleme, die erst nach der Einweisung durch den Lieferanten festgestellt wurden.
  • Wunsch nach Beratung vor Anschaffung einer PC-gestützten Kommunikationshilfe.
  • Die Weiternutzung eines bereits vorhandenen PCs ist aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht mehr möglich oder erschwert.

Es gab eine deutliche Zunahme der Anfragen aus den ersten beiden Gruppen. Insbesondere erreichen uns vermehrt solche Anfragen zunehmend von Therapeuten, die für ihre Patienten keine geeignete Kommunikationshilfe bei den etablierten Reha-Anbietern finden konnten oder bei einem vorhandenen Hilfsmittel nicht die erforderliche Hilfestellung leisten können.

Dabei handelt es sich fast ausnahmslos um nicht-sprechende Patienten mit besonders schwerwiegenden motorischen Einschränkungen (degenerative Nervenkrankheiten, Stammhirn-Infarkt, Spastik), die durch Beeinträchtigung oder Verlust der Sprachfähigkeit (z. B. auch infolge einer Tracheotomie) zwingend auf elektronischen Hilfsmittel  zur Aufrechterhaltung ihrer Kommunikationsfähigkeit angewiesen sind.

Eine besondere Herausforderung war die Entwicklung nach geeigneten Kommunikationshilfen für eine Patientin mit MSA (Multipler Systematrophie); die Patientin kann aufgrund eines starken Tremors ihren Laptop nicht mehr über die üblichen Eingabegeräte bedienen und leidet darüber hinaus an einer Dysarthrie.

Für einen fast völlig gelähmten ALS-Patienten, der aber noch weiterhin als leitender Wissenschaftler bei einem großen Berliner Pharmaunternehmen tätig war, wurde das Texteingabeprogramm Dasher so modifiziert, dass häufig benutzte Textblöcke in das Alphabet und typische Textpassagen in den Trainingstext integriert wurden.

Zusammen mit dem Landesverband Schleswig-Holstein der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke (DGM) wurden mit Unterstützung von Prof. H.-C. Hansen (Chefarzt Neurologie) im Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster zweimal jährlich Informations- und Schulungsveranstaltungen für Patienten, Angehörige und Therapeuten zu kostenlosen Hilfsmitteln angeboten.

Durch die Teilnahme an Messen (Miteinander Leben 2014 und n2016 in Berlin) und Vorträge bzw. Lehrveranstaltungen an Fach- und Hochschulen, Tagungen und Symposien für Ärzte und Therapeuten wurde ein großer Personenkreis erreicht, der als Multiplikator einen hohen Stellenwert hat.

Der Pflegeservice Albersdorf in Schleswig-Holstein versorgt eine Vielzahl von Patienten mit motorischen und kommunikativen Einschränkungen. kommhelp e.V. hat einen Laptop zur Verfügung gestellt, der mit Software zur Kommunikation und alternativen Maussteuerungsprogrammen ausgestattet ist. So können Pflegefachkräfte und Therapeuten sich einerseits mit den Möglichkeiten der Programme vertraut machen, aber auch direkt mit Patienten neue Kommunikationswege erproben.

Im Bereich Software wurden mehrere neue Programme entwickelt, abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse einzelner Patienten.
Dazu gehören Programme zur Sprachausgabe, zur Nutzung von Skype und  Software, die eine Steuerung aller wesentlichen Computerfunktionen mit nur einem einzigen Sensor möglich macht.
Das Programm TalkShowKH wurde völlig neu als Autohotkey-Script geschrieben, wodurch kommhelp jetzt vollständigen Zugriff auf den Quellcode hat.
Wie auch in der Vergangenheit wurde für Software aus englisch- bzw. spanischsprachigen Ländern Übersetzungen und deutsche Arbeitsanleitungen erstellt.

Die Website kommhelp.de wurde erfreut sich weiterhin einer wachsenden Nutzergemeinschaft; auch unsere Informationsvideos auf vimeo.com  werden regelmäßig abgerufen.

Eine Download-Seite für eigene Software-Entwicklungen und allgemeine Computer-Tipps wurde eingerichtet und gut angenommen.

Die wirtschaftliche Situation des Vereins ist weiterhin stabil, die Mitgliederzahl ist leicht angestiegen.

Allein in Deutschland wird die Zahl der Personen, die auf Kommunikationshilfen zum Schreiben oder Sprechen angewiesen sind, auf mehrere Hunderttausend geschätzt. Die häufigsten Ursachen sind Schlaganfall, Unfälle mit schweren Schädel-Hirn-Verletzungen, Spastik, ALS, MS und Tumorerkrankungen.

(Auszug aus der) Satzung
des Vereins zur Förderung kommunikativer Möglichkeiten Behinderter Kommhelp e.V.

 § 2     Vereinszweck

 (1) Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar die Förderung der Zwecke der amtlich anerkannten Verbände der freien Wohlfahrtspflege im Sinne des Abschnitts "Steuerbegünstigte Zwecke" der Abgabenordnung (§§ 52 ff. AO) in der jeweils gültigen Fassung.
Zweck des Vereins ist die Förderung und Entwicklung der kommunikativen Möglichkeiten Behinderter mit technischen Hilfsmitteln. Schwerpunkt ist die Förderung behinderter Kinder und Jugendlicher bei der Nutzung technischer Kommunikationshilfen, um behinderungsbedingte Nachteile in Schule und Ausbildung weitestgehend zu überwinden. Hierdurch werden die Möglichkeiten zur gesellschaftlichen und beruflichen Integration und zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verbessert.

(2) Der Verein kann seine Betreuungsmaßnahmen durch individuelle Beratung, Schulung und Betreuung Behinderter an entsprechenden Geräten in geeigneten Räumen durchführen. Die Entwicklung oder die Initiierung der Entwicklung neuer, zweckdienlicher elektronischer und technologischer Hilfen soll Teil dieser Maßnahmen sein.

(3) Der Satzungszweck wird verwirklicht durch die Bereitstellung von Beratungs- und Schulungsangeboten auf dem Gebiet elektronischer und/oder technologischer Hilfsmittel für behinderte Personen in ihrer alltäglichen Lebensumgebung (Wohnung, Schule, Arbeitsplatz), gegebenenfalls verbunden mit individueller Betreuung sowie die Entwicklung neuer, an die jeweilige Behinderung angepasster elektronischer/technischer Hilfsmittel, gegebenenfalls unter Heranziehung anerkannter Experten.
Der Verein betreibt elektronische Informationssysteme und bietet darüber entsprechende Informationen und Dienstleistungen an. Die Systeme dienen zur Kommunikation und, Informationsbeschaffung für Personen mit eingeschränkter Mobilität.


§ 3    Selbstlosigkeit

(1) Der Verein ist selbstlos tätig; er verfolgt keine eigenwirtschaftliche Zwecke.

[Die vollständige Satzung ist im Anhang]